Reisebericht Djerba Tunesien 2025

Djerba zu Fuß – Sechs Tage zwischen Sand, Salz und Seele

Im Mai 2025 entschied ich mich (Kai), die tunesische Insel Djerba nicht mit dem Mietwagen, nicht auf einem Kamel und auch nicht mit dem Touristenbus zu erkunden – sondern zu Fuß. Sechs Tage, ein Rucksack, meine Kamera und der unbändige Wunsch, das wahre Gesicht der Insel zu entdecken. Keine Hotelkomplexe, keine gestellten Folkloreabende – stattdessen: staubige Nebenstraßen, einsame Strände, leere Moscheen, und herzliche Begegnungen, die tiefer gingen als jedes Reisemagazin es je abbilden könnte. Djerba hat mich überrascht. Und verändert.

Tag 1

Ankommen in Houmt Souk

Am frühen Nachmittag landete ich auf dem Flughafen Djerba-Zarzis und machte mich direkt – zu Fuß – auf den rund 7 km langen Weg nach Houmt Souk. Mein Ziel für die erste Nacht: das Hôtel Sindbad, im Herzen der Altstadt gelegen. Das charmante 3‑Sterne-Haus mit seinem begrünten Innenhof, einer kleinen Sonnenterrasse und orientalischem Flair bietet genau das, was man nach einer Reise braucht: Ruhe – und ein Hauch Abenteuer.

Nach dem kurzen Check‑in zog es mich zum Hafenviertel – genauer gesagt ins Restaurant Haroun. Der Abend dort war mehr als nur ein kulinarisches Erlebnis. Die Dorade, frisch aus dem Meer, kam perfekt gegrillt auf den Teller, flankiert von Gemüse und Gewürzen, die nach Sonne schmeckten.

Zwischen den Gängen wurde es musikalisch: Die Frau des Mitinhabers sang live französische Chansons, warm, berührend, ehrlich.
Ihr Mann – geboren in der Hauptstadt von Djerba – war einst diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Doch seine Seele gehörte immer der Insel. Mit der Rückkehr erfüllte er sich einen Traum: Er gestaltete das Haroun selbst – mit einem Auge für Atmosphäre, Antiquitäten und einem Gespür für das, was Gäste wirklich berührt.

Sein Lieblingsplatz auf der Insel? Der Strand seiner Heimatstadt – weitläufig, ruhig, ursprünglich. Dort geht er am liebsten fischen und lässt die Gedanken treiben. „Das ist mein Rückzugsort“, sagte er leise – und man glaubte es ihm sofort.

Zum Abschluss gab es einen kleinen Dattellikör aufs Haus. Süß, würzig, rund – wie der ganze Abend.

Zurück im Sindbad, unter einem stillen Himmel, wusste ich: Der Weg auf dieser Insel wird mehr als nur eine Wanderung – es wird eine Begegnung mit Menschen, mit Geschichte, mit mir selbst.

Facts about Tunisia

Tag 2

Festung, Küste & Kunst

Frisch gestärkt begann der zweite Tag direkt vor Sonnenaufgang. Ich war der erste Besucher der beeindruckenden Ghazi Mustapha Festung (Borj El Kebir), die um 1392 unter dem Hafsid‑Sultan Abu Faris Abdelaziz II. erbaut und 1567 von Ghazi Mustapha im osmanischen Stil erweitert wurde. Mit ihren 68 × 53 m und Rund‑ wie Ecktürmen diente sie lange als Bollwerk gegen Piraten und Spanier. Heute ist sie Teil des Unesco‑Welterbes „Djerba: Testimony to a Settlement Pattern in an Island Territory .

Der Vormittag war bereits heiß – höchste Zeit, bei einem 7‑Eleven am Rande Houmt Souks meinen Wasservorrat aufzufüllen, bevor ich weiterging. Auf halbem Weg entdeckte ich an einem alten Haus ein Mosaik, das einem „AT‑AT“ aus Star Wars ähnelt – absurdes Kunstwerk im uralten Ambiente.

Entlang der Küstenstraße führte mein Weg zur sogenannten Biscuit Town, einem historischen Keks‑ und Gebäckviertel – früher bekannt für lokale Biscuiterie und ein beliebter Ort für Familien‑ und Dorfzusammenkünfte. Heute zeugen bunte Häuschen und Fassaden noch vom einst regen Treiben.

In Biscuit Town angekommen, genoss ich eine Pause auf einem Dach. Unten fischten einheimische Angler ruhig im türkisblauschimmernden Meer, während beeindruckende Graffitis den Ort in leuchtende Farben tauchten. Und der Strand? Feinster, goldener Sand und fast menschenleer – genau so, wie man sich ein Djerba‑Strandparadies vorstellt.

Zur Mittagszeit ging es weiter ans Wasser – La Rose direkt am Strand. Dort gönnte ich mir ein einfaches, aber herrlich frisches Thunfisch‑Sandwich und eine aromatische Chakchouka – perfekt passend zum Lichtspiel auf dem Meer und der salzigen Brise.

Den Tag ließ ich im Iris Djerba Hotel & Thalasso ausklingen. Der Weg vom Essen bis zur Hotelterrasse war kurz, der Übergang ins Entspannte nahtlos: ein erfrischendes Thalasso‑Bad, Blick auf Pool und Palmen, ein Moment, der Taten jetzt mit Ruhe krönte.

Schon nach zwei Tagen zeigt sich Djerba als Insel der Kontraste: alte Festungsarchitektur trifft auf zeitgenössische Kunst, ursprüngliche Küstenabschnitte, liebevoll zubereitete Speisen und Momente absoluter Entspannung. Das Tempo der Insel ist moderat – doch mit jedem Schritt fühle ich mich weiter eingetaucht in ihre Seele.

Tag 3

Geheimnisvolle Ruinen & Lagunenzauber

Am Morgen ging es erneut früh los – frei nach Gefühl hinauf in den Norden der Insel. Schon nach wenigen Kilometern stieß ich auf das Tor eines verlassenen alten Hotelkomplexes. Spuren vergangener Pracht lagen im Staub, überwuchert von der Natur. Ein Anwohner, der nebenan lebte und Wasser aus dem heruntergekommenen Brunnen holte, erzählte mir, dass das Hotel schon seit vielen Jahren leersteht. Das war mein grünes Licht: Mit Ruhe und Neugier erforschte ich diesen riesigen, vergessenen Bau – ein echter Zufallsfund.

Weiter ging’s kilometerlang dem Küstenstreifen folgend, bis ich das Restaurant Sidi Slimen Djerba erreichte. Es liegt direkt am Strand, einladend und authentisch. Zur Mittagszeit genoss ich ein köstliches, traditionelles Essen – begleitet von einem langen Verweilen bei grünem Tee mit Minze. Der Besitzer, ein freundlicher Mann aus Aghir, eröffnete das Lokal erst vor etwa zehn Monaten. Sein Stolz? Die nach einem Familienrezept handgemachten Gewürze seiner Mutter. Er zeigte mir voller Begeisterung seine Gewürzpalette – getrocknete Kräuter, Mischungen mit Fenchel, Koriander, Chili – intensiv und aromatisch. Gut gesättigt setzte ich meinen Weg am Sandstrand fort.

Unterwegs entdeckte ich erneut eine verlassene Resortanlage, direkt ans türkisfarbene Meer gebaut – die Zeit schien hier stillzustehen. Zwischen zerfallenen Mauern und meterhohem Gras raschelte es plötzlich: Eine Levanteotter kreuzte meinen Weg – schnell, wachsam, elegant. Ich konnte sie nicht fotografisch festhalten, so flink verschwand sie im Schatten.

Diese Schlange, auch Macrovipera lebetina genannt, gehört zu den größten Giftschlangen Nordafrikas und des Nahen Ostens. Auf Djerba ist sie zwar selten, aber durchaus heimisch. Sie kann bis zu 1,5 Meter lang werden und lebt bevorzugt in felsigen, trockenen Regionen – oder, wie in meinem Fall, in verfallenen Ruinen fernab menschlicher Zivilisation. Ihr Biss ist giftig, aber sie gilt als eher scheu und beißt nur, wenn sie sich bedroht fühlt. Ein stiller, aber eindrucksvoller Moment – ein lebendiges Zeichen dafür, wie sehr sich die Natur langsam das zurückholt, was einst dem Menschen gehörte.

Nach einigen Stunden Erkundung folgte eine ersehnte Pause: ein Supermarkt, um Eis und eiskaltes Wasser zu besorgen – pure Erfrischung für den heißen Tag.

Frisch gestärkt nahm ich den Weg zur Blue Lagoon, einer versteckten Lagune im Nordosten Djerbas mit kristallklarem, türkisfarbenem Wasser und blendend weißem Sand – ein natürlicher Rückzugsort, der einen mitten im Nirgendwo alles andere vergessen lässt. Zu Fuß überquerte ich das ruhige Gelände, das von Palmen gesäumt wird und Ruhe verspricht. Auch hier fand ich ein altes, längst verlassenes Resort – mit wunderschönen Ausblicken durch die zerfallenen Fensterläden aufs Meer.

Die Sonne sank langsam – und ich machte mich auf den Weg nach Aghir, fast ganz in der Dunkelheit. Dort wartete das Hotel Djerba Castille, ein All-inclusive-Hotel, in dem ich für zwei Nächte Entspannung tankte und Energie sammelte für die nächste Etappe.

Tag 4

Hitze, Ruinen und Reptilien

Der Tag begann entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück im Djerba Castille Hotel. Frisches Fladenbrot, Datteln, Oliven, Omelett – und dazu der erste starke Kaffee des Tages. Gestärkt und motiviert brach ich auf, um Aghir und seine Umgebung weiter zu erkunden.

Mein heutiges Ziel war bewusst gesetzt: mehrere Ruinen, die mir zuvor auf Satellitenbildern aufgefallen waren – verstreut im südöstlichen Küstenbereich der Insel. In der erbarmungslosen Mittagshitze durchkämmte ich zu Fuß teils überwucherte Wege und steinige Pfade, vorbei an ehemaligen Hotels, Bungalows, Restaurants und leerstehenden Schwimmbädern. Der Verfall war fortgeschritten – Dächer eingestürzt, Fliesen verwittert, Pools leer und von Sand verschluckt.

Was mich besonders faszinierte: das Leben in der Leere. Viele dieser verlassenen Strukturen wurden inzwischen von Reptilien bewohnt. Tunesien beheimatet rund 52 Reptilienarten, darunter Geckos, Agamen, Skinke und Eidechsen – und genau diese huschten über Bodenplatten, krochen aus Mauerlöchern oder lagen in der Sonne, als wären sie schon immer hier zu Hause gewesen.

Ein verlassener Ort lebt weiter – nur anders. Natur, die sich leise und hartnäckig alles zurückholt. Ich konnte mich kaum losreißen von dieser stillen, staubigen Faszination.

Am Nachmittag ging es weiter über weite Sandstrände, das Meer stets zur Rechten, die Sonne hoch am Himmel. Zurück im Hotel wartete ein Abend voller Kontraste: ein kurzer Sprung in den Pool, ein kühles Bier – und dann ging es noch einmal los.

Zum Abendessen zog es mich ins Restaurant Port D’Aghir, direkt am Wasser gelegen. Der frische Fisch, den ich dort serviert bekam, war schlicht und grandios zugleich. Saftig, auf den Punkt gegrillt, begleitet von knusprigem Brot und aromatischen Beilagen. Während die Sonne langsam versank und der Wind die Wärme des Tages mit sich nahm, klang der Abend genussvoll aus – zwischen salziger Luft und dem Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Tag 5

Kunst, Sturm & Pool‑Romantik

Nach einem reichhaltigen Frühstück machte ich mich auf den Weg in die Stadt El Mey. Wegen der drückenden Hitze führte mich der Weg – nur zirka 500 m zu Fuß – direkt in ein zufälliges Taxi. Eine willkommene Erleichterung. Kaum angekommen, checkte ich im charmanten Gästehaus Dar Oueghlani ein, ließ mein Gepäck fallen und stieg wieder aus – denn heute wartete Djerbahood auf mich.

Djerbahood ist ein lebendiges Freiluft‑Art‑Museum im Dorf Erriadh (auf Arabisch auch Hara Sghira), direkt auf Djerba, entstanden 2014 durch ein Street‑Art‑Festival unter der Leitung der Pariser Galerie Itinerrance. 150 internationale Künstler aus rund 30 Nationen gestalteten über 250 Wandbilder, verbrauchten dabei über 4.500 Spraydosen und respektierten die traditionelle Architektur der weißen Dorfhäuser, verwandelten Gassen, Tore und Wände in kunstvolle Erzählflächen.

Ich schlenderte durch das labyrinthartige Dorf, bestaunte die farbenprächtigen Murals – vom riesigen Tintenfisch von ROA bis zu arabischen Kalligraphien und Surrealem an Hauskuppeln, und entdeckte künstlerische Autowracks. Der Ort fühlt sich an wie ein Mosaik aus Geschichten, Kulturen und Farben – ein Erlebnis für jede Sinne. Auch einheimische Familien und ältere Bewohner wirkten mit, teilten Erinnerungen und Materialien mit den Künstlern .

Der Tag verging spielerisch, während ich jeden Winkel auf mich wirken ließ. Erst am Abend kehrte ich zu Fuß zurück zum Hotel, denn ein Sturm war angekündigt. Im Dar Oueghlani wartete bereits die große Poollandschaft, in der ich mich erfrischte. Dann kam die Überraschung: Die herzliche Inhaberin Nadbaya kaufte mir spätabends im nahegelegenen Supermarkt einen köstlichen Weißwein. Zusammen mit einem Eimer Eis genoss ich ihn direkt am Pool – über mir tobten Gewitterwolken, der Himmel erleuchtete im Blitze-Takt.

So ging der letzte Abend auf Djerba zu Ende: zwischen Kunst und Elementen, mit Salz auf der Haut, Kunst im Blick – ein Moment, wie ein gemaltes Bild.

Tag 6

Abschied auf Djerba: Tradition, Kunst & Sterne

Mein letzter Morgen auf Djerba startete mit einem fantastischen Frühstück auf der Sonnenterrasse des Dar Oueghlani. Gastgeberin Nadbaya begrüsste mich mit frischem Brot, Oliven, Tahini (eine fein gemahlene Paste aus gerösteten Sesamsamen, die eine zentrale Rolle in der nordafrikanischen und mediterranen Küche spielt) und starkem Kaffee – und führte mich anschließend durch ihr liebevoll restauriertes Gästehaus. Hinter jedem Türbogen spürte man gelebte Tradition und Herzlichkeit.

Es fiel schwer, „Auf Wiedersehen“ zu sagen, so viele Eindrücke hatte die Insel in sechs Tagen hinterlassen. Doch die Zeit drängte – ein Taxi wartete bereits vor dem Supermarkt in El Mey. Es sollte mich laut Absprache für umgerechnet 40 € den ganzen Tag quer über Djerba chauffieren.

Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichten wir Guellala, die berühmte Töpferstadt im Süden der Insel. Die Ortssilhouette wird dominiert von Tonwerkstätten, deren Tradition bis zu 3 000 Jahre zurückreicht – ursprünglich von Griechen und Phöniziern geprägt und heute das Keramikzentrum Südtunesiens. Die Töpfer fertigen bis zu 300‑Liter‑Terrakotta-Gefäße, einst für Öl, Datteln oder Getreide genutzt, heute ebenso für Kunstobjekte . Ein kurzer Besuch in der Werkstatt von Faouzi ermöglichte mir einen Einblick in diesen lebendigen Handwerkszweig.

Weiter ging’s zu einem älteren Gebäude, dessen Fassadenmosaik überraschend einen Stormtrooper aus Star Wars zeigt – ein kleiner galaktischer Gruß, mitten auf Djerba. Direkt danach steuerten wir den Hafen von Ajim an. Hier kreuzen Fähren zwischen Djerba und dem tunesischen Festland – ein geschäftiger Ort der Verbindung und Bewegung.

Ein weiterer ikonischer Drehort wartete: das Haus von Obi‑Wan Kenobi am Rand von Ajim. Dessen Außenaufnahmen wurden in „Star Wars Episode IV: A New Hope“ genutzt. Die kleine, weiß getünchte Hütte, eingebettet in die mediterrane Landschaft, weckte Gänsehaut-Momente: hier beginnt Lukes Reise – und auch meine emotionale Reise nahm einen letzten, filmischen Höhepunkt.

Unser letzter Photostopp führte mich zur Mosquée Sidi Jemour, einer historischen Küstenmoschee im Westen der Insel. Sie war Teil einer mittelalterlichen Festungslinie zur Küstenüberwachung. Von hier oben eröffnete sich ein weiter Blick auf den Port de el Khliifii und das türkisblaue Meer – perfekt für den Abschiedsblick in die Weite. Reisende und Pilger besuchen Sidi Jemour besonders zum Sonnenuntergang, in einer Atmosphäre, die als „magisch, ruhig und bezaubernd“ beschrieben wird .

Schweren Herzens ließ ich diesen letzten Blick auf Djerbas Küste los und machte mich auf den Weg zum Flughafen Djerba-Zarzis. Sechs Tage zu Fuß, voller Menschen, Geschichten und Landschaften – jede Region dieser Insel zeigte ein anderes Gesicht. Überdacht, erfüllt und inspiriert stieg ich in den Flieger zurück nach Deutschland.

Gesamtfazit – Djerba 2025

  • Vielfalt auf kompakter Fläche: Von Festungen, Ruinen und Star Wars-Locations über Street Art, Töpferei-Dörfer und historische Moscheen – Djerba ist eine Schatzkiste aus Kontrasten.

  • Tiefgehende Begegnungen: Handwerker, Gastgeberinnen und Gastronomen gaben Einblicke in ihre Kultur und Seele.

  • Landschaftliche Magie: Höchste Momente an kleinen, verlassenen Orten, endlosen Stränden und stillen Küstenmoscheen mit Ausblick.

jumpers juicy jewels - pictures

jumpers juicy jewels

Mitten in den engen, weiß getünchten Gassen von Erriadh, einem lebendigen Dorf auf der tunesischen Insel Djerba, entstand im Rahmen des internationalen Street-Art-Projekts Djerbahood ein farbenfrohes Graffiti, das auf den ersten Blick ein kleines Festmahl zeigt. Der Künstler Adey, bekannt für seine verspielten und surrealen Tiermotive, lässt hier mehrere Hasen lebendig werden, die gemeinsam frisches Obst genießen. Die Szene wirkt wie eine kleine Geschichte voller Leichtigkeit und Lebensfreude, eingefangen in kräftigen Farben und detailreicher Gestaltung. Djerbahood wurde 2014 von der Galerie Itinerrance initiiert und vereinte mehr als 150 Künstler aus über 30 Ländern, die Erriadh in ein Freiluftmuseum mit über 250 Wandgemälden verwandelten. Das Projekt verbindet auf einzigartige Weise die traditionelle Architektur und Kultur der Insel mit moderner urbaner Kunst. Die Kunstwerke bringen frischen Wind und schaffen einen neuen Blick auf die Region, der Besucher weltweit begeistert. Adeys Werk ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie zeitgenössische Kunst mit lokaler Geschichte und Umgebung verschmilzt. Die Hasen, verspielt und ein bisschen surreal, vermitteln eine Atmosphäre von Gemeinschaft und Harmonie. Dieses Bild steht für das Potenzial von Kunst, Grenzen zu überwinden und Verbindungen zwischen Menschen, Kulturen und Zeiten zu schaffen – mitten im pulsierenden Leben eines tunesischen Dorfes.

whispers of azure - picture

whispers of azure

In den stillen Gassen von Djerbahood erhebt sich ein Wandbild, das spricht – nicht laut, sondern flüsternd. Die Boote, festgehalten in einem Ozean aus Farbe, scheinen zu treiben, obwohl sie fest verankert sind. Wie Erinnerungen, die nicht vergehen, sondern sich in Mauern einnisten. Die arabische Kalligrafie, kunstvoll verwoben in das Bild, ist kein klarer Satz, sondern eine Emotion. Eine Sprache ohne Übersetzung, aber voller Bedeutung. Das intensive Azurblau kontrastiert mit dem verblassten Putz, als würde das Meer selbst durch die Risse der Wand atmen. Es ist ein Ort zwischen Festhalten und Loslassen. Zwischen Kultur und Zerfall. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Hier treffen sich die Geister alter Geschichten mit der Energie moderner Straßenkunst. Kein Name ziert das Werk, kein Künstler beansprucht es. Und genau darin liegt seine Kraft: Es gehört der Insel, dem Wind, der Stille. „Whispers of Azure“ ist eine Momentaufnahme aus Farbe und Gefühl – eingefangen an einem Ort, der selbst schon ein Kunstwerk ist. Es ist ein Bild für Suchende. Für Reisende. Für jene, die in verfallenen Mauern Schönheit sehen und in stummen Farben Stimmen hören. Ein Werk, das nicht erklärt, sondern fühlt. Ein Flüstern, das bleibt.

pottery slam - picture

pottery slam

Inmitten der warmen Farben Djerbas, fernab der touristischen Hauptwege, liegt ein Ort voller stiller Geschichte und handwerklicher Meisterschaft: die Poterie Mjahed Faouzi. Dieses Bild wurde genau dort aufgenommen und zeigt eine eindrucksvolle Wand aus Tonkrügen, Amphoren und Tongefäßen – jedes einzelne ein Zeugnis jahrhundertealter Töpferkunst. Die Poterie Mjahed Faouzi ist mehr als nur eine Werkstatt – sie ist ein gelebtes Museum. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart. Die traditionellen Techniken werden noch immer von Generation zu Generation weitergegeben. Die Gefäße werden größtenteils per Hand geformt und im offenen Feuer gebrannt – ganz ohne moderne Maschinen. Die Oberfläche vieler Töpfe erzählt Geschichten: von der Sonne gegerbt, vom Wind gezeichnet, von der Zeit geadelt. Der Ort selbst wirkt wie eine harmonische Explosion aus Form, Farbe und Geschichte. Die Anordnung der Krüge – scheinbar chaotisch, aber doch in sich stimmig – ist ein Fest für jeden Fotografen mit einem Auge für Struktur und Authentizität. In diesen Gefäßen wurden einst Wasser, Öl und Getreide gelagert – heute sind sie stumme Zeugen einer Kultur, die mit dem Material Erde verbunden ist wie kaum eine andere. Wer die Poterie besucht, betritt einen Raum, der atmet. Der Ton unter den Händen fühlt sich lebendig an, die Atmosphäre ist erfüllt von Kreativität und Tradition.

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obi-wahn

Einst Zufluchtsort eines in sich gekehrten Jedi, heute ein verlorener Sandkasten der Filmgeschichte: Die Moschee Imghar Amghar auf Djerba, besser bekannt als „Old Ben’s Hermitage“ aus Star Wars: A New Hope, steht da wie ein verwaschenes Kapitel aus einer weit, weit entfernten Galaxis. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen – bröckelnder Putz trifft auf ikonische Silhouetten. Und als hätte der Wahnsinn selbst kurz vorbeigeschaut, blickt uns an der Wand ein 8-Bit-Obi-Wan entgegen – zwischen Pixel und Pathos, zwischen Mythos und Mosaik. Hier steht kein Haus mehr. Hier steht ein Fragezeichen: über Isolation, Überwachung, Vergessen und Rebellion. Willkommen im Obi-Wahn – wo die Macht ruht, der Sand spricht und die Geschichte flimmert.

tides flow through her veins - picture

tides flow through her veins

Dieses beeindruckende Werk der tunesischen Künstlerin Ahlem Zaghbani, bekannt als Art Ahlem, verbindet auf einzigartige Weise weibliche Kraft mit maritimer Symbolik. Entstanden im Rahmen des legendären Street-Art-Projekts Djerbahood auf der Insel Djerba, ist das Bild Teil einer Freiluftgalerie, die über 150 Künstler aus aller Welt zusammengebracht hat, um das kleine Dorf Erriadh in ein lebendiges Kunstmuseum zu verwandeln. Die Tür, getragen von verwitterten Türkis- und Blautönen, symbolisiert Übergänge und Schwellen. Im Zentrum steht die stille Präsenz einer Frau, deren Gesicht Stärke und Anmut ausstrahlt. Die fließenden kalligrafischen Linien um sie herum wirken wie Wellen, die unaufhörlich an die Küste schlagen – als würden die Gezeiten direkt durch ihre Adern fließen. Für Art Ahlem sind ihre Porträts Ausdruck von Erinnerung und Identität, durch die das Meer als Ursprung des Lebens zur kraftvollen Metapher wird. Weiblichkeit wird hier nicht bloß als Ästhetik gezeigt, sondern als essenzielle Kraft, die trägt und wandelt. Die Tür öffnet einen Raum, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet – wie das Meer, das stets in Bewegung bleibt und neue Formen annimmt. Dieses Kunstwerk ehrt alle Frauen, die wie die Gezeiten mal sanft, mal stürmisch durch das Leben fließen und ihre innere Stärke nie verlieren. Art Ahlems Werke im Djerbahood-Projekt sind Zeugnisse dieser Verbindung von Kultur, Natur und weiblicher Identität – ein starkes Statement in einer einzigartigen Symbiose aus traditioneller arabischer Kunst und zeitgenössischem Street-Art-Design.

framed by the past - picture

framed by the past

An der Nordküste von Djerba thront die Ghazi Mustapha Festung – auch bekannt als Borj el Kebir – still, aber unübersehbar. Ursprünglich im 13. Jahrhundert erbaut und im 16. Jahrhundert unter dem osmanischen Admiral Dragut (Turgut Reis) massiv erweitert, war sie einst Bollwerk gegen feindliche Flotten, gegen die Zeit – und gegen das Vergessen. Ihre dicken Sandsteinmauern, Schießscharten und gewölbten Fenster erzählen von Jahrhunderten voller Konflikte, Strategien und Stille. Durch das steinerne Fenster, das dieses Bild rahmt, öffnet sich nicht nur der Blick aufs Mittelmeer – sondern auch auf das Echo vergangener Macht. Genau von hier aus beobachteten osmanische Kommandanten einst das Meer, auf der Hut vor spanischen Segeln oder den Rittern von Malta. Heute scheint der Horizont friedlich – doch die Geschichte sitzt in jedem Schatten dieser Mauern. Die Festung spiegelt den Wandel der Herrschaft in Nordafrika: von Berbern und Hafsiden über das Osmanische Reich bis zur Gegenwart. Und obwohl die Zeit weiterzieht, wirkt hier nichts verloren. Der Stein bröckelt, aber das Erbe bleibt. Dieses Bild ist eine Hommage an genau diese Beständigkeit. Ein stiller Moment – eingefangen zwischen Licht und Verfall, eingerahmt von Jahrhunderten.

framing sea - picture

framing sea

Ein verwitterter Türrahmen rahmt den Blick auf das endlose Blau des Mittelmeers – still, weit und zeitlos. Die bröckelnden Wände und verblassten Farben erzählen von einer Ära, in der hier Leben pulsierte, Stimmen hallten und die Meeresbrise durch offene Fenster strich. Jetzt ist da nur noch Stille – eine Stille, die sich nicht leer anfühlt, sondern voller Erinnerungen. Der Ort liegt auf Djerba, der größten Insel Nordafrikas, bekannt für ihre weißen Sandstrände, jahrhundertealte Kulturen und das friedliche Nebeneinander von Berber-, jüdischer und muslimischer Geschichte. Doch abseits der Postkartenmotive offenbaren sich hier auch Spuren des Vergessens: verlassene Gebäude, die langsam in die Landschaft zurücksinken, während das Meer unbeirrt an ihrer Schwelle rauscht. Das Bild zeigt diesen Kontrast in Reinform: das rohe, von der Zeit gezeichnete Mauerwerk gegenüber dem klaren Horizont und dem lebendigen Spiel aus Licht und Wasser. Die salzige Luft weht durch leere Räume, als wolle sie alte Geschichten noch einmal aufleben lassen.